Mo

14

Jul

2014

Du kannst dem Leben nicht mehr Tage geben, aber dem Tag mehr Leben!

  

   So, ich bin - auch im übertragenen Sinne - wieder zu Hause angekommen. Ich stehe morgens nicht mehr um 6 Uhr auf, schiele nicht mehr nach dem Wetter, sorge mich nicht mehr um das nächste Nachtquartier, esse seit mehr als einer Woche keine Pizza und kein Eis und schwitze nicht mehr. Alles irgendwie komisch! Mein zweites Enkelkind Mattea ist inzwischen zehn Tage alt, Deutschland seit gestern Fußballweltmeister und ich stelle fest, in meinem Bett ruht es sich sehr gut. Ich hatte nun einige Tage Zeit, meine lange Pilgerreise in Gedanken Revue passieren zu lassen und will ein Fazit ziehen.

   Zunächst die reine Statistik: Insgesamt war ich 2106 km unterwegs, davon 701 km in Deutschland, 368 km in der Schweiz und 1037 km in Italien. Gebraucht habe ich dafür 100 reine Wandertage (33 in Deutschland, 18 in der Schweiz und 49 in Italien), im Durchschnitt also gut 21 km pro Tag. Auf dem Weg zu seinem Grab hat mir Petrus, der ja nach landläufiger Meinung bei der göttlichen Aufgabenverteilung auch für das Wetter zuständig ist, diesbezüglich die besten Voraussetzungen beschert. Mein bewährter großer Regenschirm kam nur ca. zehnmal zum Einsatz, davon nur einmal über einen ganzen Tag hinweg. Die einzige "Schlechtwetterperiode" fand für etwa fünf Tage zwischen Bern und Lausanne in der Schweiz statt. Sonnenstunden gab es zu Hauf, meine Creme mit Sonnenschutzfaktor 30 habe ich komplett aufgebraucht und vor allem gegen Schluss in der Toskana und in Latium meinte es die goldene Scheibe am Himmel manchmal sogar zu gut mit mir.

   Meinen müden Körper habe ich nachts recht unterschiedlich gebettet: 35 mal in Fremdenzimmern, Pensionen, B&Bs, kleinen Hotels oder Bauernhöfen, 21 mal in Wanderheimen, Hostels, Jugendherbergen oder in einem "Weinfass" auf einem Campingplatz, 25 mal in kirchlichen oder kommunalen Pilgerherbergen und 15 mal in Klöstern. Die Qualität schwankte zwischen "3-Sterne-Hotel-Standart" bis "betont einfach", aber wer unterwegs denselben Komfort wie zu Hause braucht, sollte keine Pilgerreise auf sich nehmen.

   Mindestens 300 Stunden habe ich damit verbracht, meine Erlebnisse, Gefühle und Gedanken in meinem Blog niederzuschreiben und ich habe es mit viel Freude getan. Zusammen mit den fast 2000 Fotos und über 70 Videosequenzen werden mir die Blogeinträge dabei helfen, diese wunderbare Pilgererfahrung für mich unvergesslich zu machen.

   Zehn Kilogramm habe ich abgenommen und Verletzungen hat es keine gegeben, bis auf ein paar blutige Kratzer durch Brombeerranken. Von größeren Pannen oder gar "Katastrophen" bin ich Gott sei Dank verschont geblieben. Nur drei Paar durchgelaufene Socken, zwei Paar abgelaufene Wanderschuhe, ein von der Sonne vollkommen verblichenes Wander-Shirt, ein Winkelhaken im Wheelie-Regenschutz durch Hundebiss und der Verlust von einem Taschentuch, einem kleinen Handtuch, einer Armbanduhr und zwei Fußnägeln stehen auf der Negativ-Seite. Aber wie sagt man so schön: Ein bisschen Schwund ist immer!

   Auf der Plus-Seite steht so viel! Ich fange mal bei den Unterkünften an, die mir besonders in Erinnerung bleiben werden: mein uriges Weinfass auf dem Campingplatz am Dreifelder Weiher, das Wanderheim im Aussichtsturm auf dem Großen Feldberg im Taunus, das Naturfreundehaus in Dreieichenhain, die Klöster in Frankfurt-Sachsenhausen, Beinwil, Siena, Bolsena und Vetralla, das Bett bei Tobi und Mandy in Solothurn (incl. Käsefondue!), die Kammern auf den Bauernhöfen Montpelon im Schweizer Jura und Bättwil im Schweizer Mittelland, die wunderschönen B&Bs von Mme Mottier in Aigle am Genfer See und Anna Maria ("Verde Musica") in Borgofranco gegen Ende des Aostatals, die einladenden Ostellos in Cassio und "Passo di Cisa" kurz vor dem Cisa-Pass und "Sigerico" kurz vor Gambassi Terme sowie die überaus gastfreundlichen kirchlichen Herbergen in Sivizzano, Valpromaro, Abbadia Isola, Radicofani, Lucca, Buonconvento, Viterbo und Rom-Trastevere gegen Ende meiner Reise. Oft schlief ich alleine auf meinen Zimmern, manchmal zu zweit oder zu dritt, ab und zu aber auch im ganzen Rudel. In der Evolution vom Urmenschen zum modernen Individuum mag das Schlafen in der Gruppe eher die Regel als die Ausnahme dargestellt haben. Aber selbst wenn man Pilgern als Rückbesinnung auf einfache Lebensformen begreift, stellte das, was nachts in den letztgenannten Fällen auf viele zukam, eine echte Herausforderung dar. Wohl dem, der - wie ich - mit Ohropax versorgt war.

   Auf der Plus-Seite stehen besonders die herzlichen Gastgeber vieler Unterkünfte (die Pensionswirtinnen, die Mönche und Nonnen der Klöster, die Hospitaleros in den Herbergen) und die vielen Mitpilgerinnen und Mitpilger, mit denen ich - manchmal nur einige Stunden, manchmal aber auch einige Tage und Nächte - zusammen war (Roland, Bert und Heinz aus Deutschland, Maria aus Südtirol, Leonardo, Enrico, Fiurenzo, Pino, Daniela und Antonella aus Italien, Manuel aus der Schweiz, Sabrina aus Österreich, Jean, Martine, Melanie, Anni und Mart aus Frankreich, Pius, Brigit, Jean-Paul und Rita aus Belgien, Javier, Julio und Pedro aus Spanien, John aus England, Glen aus Australien sowie Piet und Marion aus Holland). Alles Menschen, die meinen Weg bereichert haben, auf unterschiedliche Weise, mit unterschiedlicher Intensität. Mit ihnen zusammen fühlte ich mich, trotz aller individueller Unterschiede, unter "Gleichen" auf einem gemeinsamen Weg.

   Was waren für mich die besonders bewegenden Momente? Es waren so viele, was soll ich für eine Auswahl treffen? Besonders war natürlich der Moment, als ich am ersten Tag meine Haustür hinter mir schloss und mich auf den Weg machte oder als ich mich von meinem Sohn Florian verabschiedete, der mich noch zwei Stunden auf seinem Fahrrad "zum Städtele hinaus" begleitete. Besonders und für mich unvergesslich aber auch die vielen anderen Momente: das überraschende kurze Wiedersehen mit Sebastian, Florian und der kleinen Amelie am Weinfass auf dem Campingplatz am Dreifelder Weiher und mit Annika im Kloster des Deutschherrenordens in Frankfurt-Sachsenhausen; der genauso überraschende Besuch der Via-Francigena-Pilger Kathrin und Hans-Jürgen in Bretten; die besondere Atmosphäre in den Klöstern in Beinwil und "Regina Pacis" in Vetralla; die "Königsetappen" entlang des Genfer Sees oder in der Toskana; das Abendessen mit den Mönchen des Klosters in Saint Maurice und mein Gespräch dort mit Abt Joseph; die unfreiwillige und intensive Wasserdusche durch die Bewässerungsspritze im Aostatal; das Übersetzen über den Po mit Fährmann Danilo; die Tierbegegnungen auf den Straßen und Wegen mit Hunden, Kuh, Esel, Gänsen, Hase und Wildschwein und mit dem Hund Pepe von B&B-Wirtin Anna Maria, der mir eine Einlegesohle und Salami klaute; der feucht-fröhliche Abend mit Tanz und viiiiiel Alkohol  in einer Unterkunft in der Po-Ebene und den daraus resultierenden Gleichgewichtsstörungen noch am nächsten Tag; der "Urlaubstag am Mittelmeer" hinter Marina di Massa mit Maria; das Eintauchen ins "Wolkenmeer" hinter Radicofani; die Hitze-Kilometer auf den "weißen Straßen" der Toskana; das mehrmalige 15-minütige italienische "Frühstücken" in kleinen Bars; die frühen stimmungsvollen Morgenstunden in den Städten und auf den Wegen; das abendliche "Halleluja" von Julio mit seiner Gitarre vor der Herberge in Viterbo; der Blick auf Rom vom Monte Mario; der Gang auf den Petersplatz; das Abholen des Testimoniums in der Sakristei des Petersdoms und - was kann schöner sein zum Abschluss - die Nachricht von der Geburt meines zweiten Enkelkindes Mattea auf dem Flughafen Fiumicino bei Rom.

   Mit meinem Pilgerweg nach Rom hatte ich mich mal wieder auf für mich Neues, Unbekanntes eingelassen. Ich hatte mein Alltagsleben verlassen, um auf ein weit entferntes Ziel loszulaufen. Ich wusste nicht, ob, wie und mit wem ich ankomme. Ich wollte erneut, wie vor einem Jahr bereits auf meinem Jakobsweg, Distanz nehmen zum Alltag, das Tempo verringern, entbehren können, jeden Tag aufs Neue wagen, meine Sinne öffnen, um das wahrzunehmen, was in mir und außerhalb von mir vor sich geht. Ich wollte mich ganz bewusst auf alles einlassen, was kommt. Hitze, Regen und Hindernisse wollte ich als Herausforderung ansehen und nicht als etwas, worüber man lange klagen muss. Ich wollte mich selbst wieder anders spüren, nicht nur in Rom ankommen, sondern ein Stück weit bei mir selbst.

   Die lange Zeit unterwegs und die täglichen Kilometer, die steinigen, engen, ausgewaschenen Pfade bergauf und bergab, die zeitweiligen hohen Temperaturen brachten mich manchmal an meine Grenzen. An die Grenzen der inneren Überwindung, aber auch an die körperlichen Grenzen des Erträglichen. Doch solche "Grenzerfahrungen" zu wagen, war sicherlich einer der Gründe meiner Reise.

   Religiöse, spirituelle Motive? Unterwegs habe ich sehrwohl bemerkt, dass das Gehen/Wandern/Pilgern bei mir existentielle Fragen "hervorlockt". Ich habe für mich eine Offenheit fürs Spirituelle entdeckt. Ich habe an Meditationen teilgenommen, wiederholt den Pilgersegen empfangen, habe mich beschützt gefühlt. Ich habe die Natur genossen, die Schöpfung, mit allen meinen Sinnen, empfand tiefe Freude und Dankbarkeit. Ich habe Religiösität bei vielen Menschen erlebt und in der Aneinanderreihung von verschiedenen uralten und erhabenen Kulturgütern, in der Regel Kathedralen, Kirchen und Klöstern. So kam ich gar nicht an der Geschichte der Religion vorbei, sondern erlebte alles sehr intensiv mit und war berührt davon.

   Ich denke, Pilger gibt es, weil es Pilgerwege wie den Jakobsweg oder die Via Francigena gibt oder Pilgerziele wie Rom, Santiago de Compostela oder Jerusalem, und diese Wege gibt es, weil es Pilger gibt. Ohne sie wären es Wege wie alle anderen. Es ist egal, welcher Religion man angehört, wie man den Gott nennt, an den man glaubt. Pilgern ergibt auch einen Sinn, wenn der "rechte Glaube" fehlt. Auch dann kann man spirituelle Erfahrungen machen. Wichtig ist, dass man sich für den Geist des Pilgerweges öffnet, ihn fühlt, ihn erlebt und so selbst ein Teil des Weges wird.

   Dass ich meinen Weg nach Rom so erleben und genießen konnte, habe ich nicht nur mir selbst zu verdanken. Ich bedanke mich auch bei meiner Familie, die das notwendige Vertrauen in mich setzt und mich immer wieder ziehen lässt, bei den lieben Menschen, die meine Blogbeiträge kommentiert oder mir ins "Gästebuch" geschrieben und mich damit ein ums andere mal "angefeuert" haben, bei meinen Mitpilgern für so viele schöne gemeinsame Stunden und Gespräche, bei den vielen Gastgebern der verschiedenen Unterkünfte für ihre meist überaus herzliche Gastfreundschaft, bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der verschiedenen Touristen-Informationen für manch geduldige und immer sehr nützliche Hilfe und bei vielen Menschen entlang des Weges für manch netten Gruß, eine bereitwillige Auskunft, ein Winken oder nur ein Lächeln.

   Ein besonderer Dank geht aber an meine treuesten Weggefährten: meinen Wheelie, meinen Rucksack, meine "Technikabteilung", bestehend aus Kamera, Smartphone und Tablet, meine Wanderschuhe und - meine Ohrenstopfen. Was hätte ich ohne sie alle nur gemacht...?

   Jetzt beginnt wieder die Zeit DANACH, die aber schon sehr bald wieder in die Zeit DAVOR einmünden wird. Es wird dann wieder einen anderen Weg für mich geben. Der Grund ist ganz einfach: Ein Schiff ist im Hafen sicher, dafür wird es aber nicht gebaut. Oder wie meine "Pilgertochter" Annika mir in ihrem letzten Blog-Kommentar geschrieben hat:

 

Wenn ein Abschnitt im Leben zur Vergangenheit wird, ist Platz für die Zukunft.

  

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Do

03

Jul

2014

Letzte Touristentage

   Die Stimmung beim Frühstück ist gedrückt. Für alle ist heute richtig Schluss mit dem Pilgerdasein, nur ich habe noch eine kleine Galgenfrist. Die meisten machen sich gleich auf zum Bahnhof Termini, um mit Zügen zum Flugplatz oder direkt nach Hause zu fahren. Zu ihnen gehört auch Antonella, die es bis zu ihrer Heimatstadt Lucca gar nicht so weit hat. Marion trifft sich gleich am Bahnhof mit ihrem Mann und gemeinsam gönnen sie sich noch drei Tage in Rom. Für Antonella und Marion war es das erstemal, dass sie auf einer Pilgerreise waren, aber für sie steht fest, dass sie im nächsten Jahr ein Stück vom Jakobsweg gehen. Ja, ja, wenn man einmal infiziert ist...

   Alle drei müssen wir schlucken, als wir uns am Tor voneinander verabschieden. Es ist schon eigenartig, wie intensiv sich so eine Pilgergemeinschaft entwickelt, auch wenn man sich noch gar nicht so lange kennt. Antonella fällt mir um den Hals und drückt dabei eine Träne weg. Dann dreht sie sich ganz schnell um und stapft davon, ohne sich noch einmal umzudrehen. Als Marion fünf Minuten später geht, versuchen wir beide es mit Lachen und dummen Sprüchen, z.B. dass der andere ja nicht Weltmeister werden kann, weil man gegen das jeweils andere Land verliert. Jeder entdeckt aber feuchte Stellen in den Augen des anderen. Ich hoffe, Marion hat mit der Pilgerreise ihren schweren Burnout überwunden, denn das war der Auslöser ihrer Pilgerschaft.

   Ich selbst packe auch meine Sachen zusammen, denn nach zwei Übernachtungen muss ich aus der Herberge raus. Doch die nächste ist schon reserviert. Mit Einverständnis der Hospitaleros kann ich Wheelie und Rucksack noch geschützt hier lagern und ab 15 Uhr abholen. Länger will ich mich aber auch auf keinen Fall durch Rom bewegen.

   Heute ist nochmal Roms Antike angesagt. Ich marschiere zum gar nicht weit von Trastevere gelegenen Kapitolshügel, blicke von dort auf die Ruinenlandschaft des Forum Romanum hinab, gehe zu den Überresten des Circus Maximus, komme zur Lateranbasilika (San Giovanni in Laterano), nehme dann Kurs auf das Kolosseum und den Konstantinbogen und schlendere von dort aus bei inzwischen brütender Hitze durch das Ruinenfeld des Forum Romanum, das mal der Mittelpunkt der Welt war, zurück zum Kapitolshügel. Eine halbe Stunde danach bin ich wieder in der Herberge.

   Jetzt würde ich mich nur wieder gerne duschen und ausruhen, aber das geht ja nicht. Also beiße ich die Zähne nochmal für eine knappe Stunde zusammen und schleppe mich bei 36ºC durch den dicksten Touristen- und Autoverkehr zu meiner letzten Unterkunft, die angenehmerweise ganz in der Nähe des Bahnhofs Termini liegt.

   Morgen muss ich mir eigentlich nur noch irgendwie die Zeit vertreiben. Mein touristisches Programm habe ich durch. Trevi-Brunnen und Spanische Treppe kann ich mir schenken, da dort alles eingerüstet ist und renoviert wird. So hat es mir jedenfalls Antonella erzählt. Also werde ich das machen, was ich in den letzten Wochen immer so gerne gemacht habe: mich zwei- bis dreimal in eine Bar setzen, Teilchen oder ein Panino essen, dazu mehrere Caffé Americano trinken und vorbeischlendernde oder -hastende Menschen beobachten, mindestens zweimal eine Gelateria heimsuchen, ein wenig im Rom-Führer lesen oder auch nochmal im altvertrauten und inzwischen schwer abgegriffenen Via-Francigena-Führer blättern. Dabei werden Erinnerungen aufsteigen, die mich lächeln lassen oder mir die Kehle zuschnüren werden. Aber es werden wunderbare Erinnerungen sein.

   Irgendwann werde ich versuchen, ein Fazit zu ziehen. Aber erst in einigen Tagen. Ich möchte erstmal etwas Abstand zu diesen bewegenden Wochen nehmen und richtig zu Hause ankommen.

 

 

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Mi

02

Jul

2014

Petersdom und Testimonium

   Uff! Je nachdem, wie man so drauf ist, ist ja nichts anstrengender als so ein Städtetripp. Und im Prinzip mache ich jetzt ja nichts anderes. Mit einem Unterschied wohl: Der Otto-Normal-Tourist holt sich nicht in der Sakristei des Petersdoms ein Testimonium für die erfolgreiche Abwicklung seines Besichtigungsprogramms von Rom ab. Das ist nun glücklicherweise immer noch den Pilgern vorbehalten.

   So gehen Marion, Antonella und ich nach einem unglaublich späten Frühstück (8 Uhr!) von Trastevere wieder Richtung Vatikan. Vor dem Petersdom angekommen hat der Pilger, der sich sein Testimonium (offiziell "Testimonium peregrinationis peractae ad limina Petri") abholen möchte, zwei Möglichkeiten: Entweder er reiht sich ein in die lange Schĺange der Touristen, die über die rechte Kolonadenseite in den Dom hinein möchten, um dann irgendwann später von drinnen zur Sakristei zu gelangen, oder man geht links an der riesigen Kathedrale vorbei, überzeugt die dort wachenden Soldaten der Schweizergarde davon, dass es sehr nett wäre, einen direkt zu dem Sakristeigebäude durchzulassen, das größer ist als manche Kirche und mit seiner Kuppel auch genauso aussieht. Zur Charmeoffensive bei den Gardisten lasse ich Antonella und Marion vor - und ruckzuck sind wir an den Jungs vorbei, die mich mit ihrer bunten Uniform immer ein wenig an Kanarienvögel erinnern. Weitere Wachhabende weisen uns den Weg zu einer Art Büro, wo wir Personal- und Pilgerausweis vorzeigen müssen und daraufhin einen Besucherausweis erhalten, den wir uns an die Brust heften. Entsprechend ausgerüstet schickt man uns zum Eingang der mächtigen Sakristei.

   Auch hier müssen wir bei einem Offiziellen vorsprechen, der sich sofort ans Telefon klemmt und drei Pilger meldet. Dann heißt es: Warten. Schwarz gekleidete Priester und Nonnen huschen schweigend an uns vorbei den prunkvollen Gang hinunter und wenn sie sich über unsere lockere und bunte Sommerkleidung an diesem Ort wundern, so zeigen sie es nicht, sondern lächeln uns freundlich zu. Wahrscheinlich lungern hier öfter Pilger rum.

   Nach zehn Minuten etwa kommt ein relativ junger Priester, begrüßt uns nett, beglückwünscht uns dazu, dass wir diesen langen Pilgerweg auf uns genommen und unser Ziel nun erreicht haben und lässt sich unsere Pilgerausweise aushändigen. Er bittet uns um etwas Geduld und ist wieder weg. Weitere zehn Minuten später kommt er mit unseren Pilgerausweisen und den Pergament-Testimonien (incl. großem Briefumschlag) zurück, überreicht sie uns feierlich, wünscht uns noch einen schönen Aufenthalt in Rom und verabschiedet sich. Damit ist auch dieser besondere Moment unserer Pilgerreise vorbei.

   Für heute trennen sich nun die Wege von Antonella, Marion und mir. Jeder hat jetzt so sein eigenes Programm. Antonella war erst vor wenigen Wochen im Petersdom, Marion möchte ihn mit ihrem Mann, der sie von Rom abholt, gemeinsam besuchen. So gehe ich alleine in dieses gewaltige Bauwerk, bin überwältigt von der Größe des Inneren und von dem Prunk. Mein Wanderführer sagt, dass es hier alleine rund 800 Säulen und 390 Riesenstatuen aus römischem Travertin, Carrara-Marmor, Stuck und Bronze sowie mehr als 40 Altäre gibt. Ich werde es nicht nachzählen, aber es wird wohl stimmen. An vier Stellen im Dom drängen sich die Menschen besonders: an Michelangelos Pieta, vor dem Papstaltar direkt unter der gewaltigen Kuppel und über dem vermeintlichen Grab des hl. Petrus und seinem grandiosen Baldachin und - seit neuestem - vor den neu eingerichteten Grabmälern der erst vor wenigen Wochen heiliggesprochenen Päpste Johannes XXIII. und Johannes Paul II.

   Ich steige hinunter zur Krypta mit den Grabmälern vieler weiterer Päpste und anschließend hinauf zur Kuppel. Direkt unter mir liegt der Petersplatz mit seinen Kolonnaden, die Prachtstraße Via della Conciliazione, die Engelsburg und der Tiber, die Vatikanischen Gärten, die Vatikanischen Museen und der Papstpalast - und ganz Rom. In den nächsten beiden Tagen werde ich zwischen diesen Häusern noch manchen Meter zu Fuß zurücklegen.

   Auf dem "Heimweg" zur Herberge in Trastevere gehe ich vorbei an der Engelsburg, der Piazza Navona, dem Pantheon, dem Palazzo Farnese und der schönen Kirche Santa Maria in Trastevere. Die Temperaturen liegen am Nachmittag bei 35ºC und ich bin heilfroh, als sich um 15 Uhr wieder das Tor öffnet und ich nach dem Touristengewühl der letzten Stunden in die Ruhe der klosterähnlichen Herberge eintauchen kann. Duschen, Ausruhen, Lesen, Schreiben, Sich-Unterhalten mit neu ankommenden Pilgern oder mit denen, die auch gestern schon hier waren. Auch Antonella und Marion treffen von ihren Touren wieder ein.

   Abends nochmal das bewegende Ritual der Fußwaschung, das keinen der Anwesenden unberührt lässt. Dann das gemeinsame Abendessen mit viel Erzählen, viel Lachen, aber auch dem Wissen, dass das ab morgen alles der Vergangenheit angehören wird.

 

 

 

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Di

01

Jul

2014

Angekommen!!!

La Storta - Rom / Petersplatz (21 km)

   Die Nacht ist kurz. Um 1 Uhr liegen Pino und ich nach der WM-Übertragung Deutschland : Algerien erst in unseren Betten. Ich finde das nicht in Ordnung, dass "unsere Jungs" es so spannend machen und über die Verlängerung gehen mussten. Ich wäre gerne eher ins Bett gegangen. Außerdem muss ich nach diesem Spiel erstmal wieder auf normale "Betriebstemperatur" kommen, damit an Schlafen überhaupt zu denken ist.

   Dann schlägt der Handywecker schon um 5.30 Uhr Krawall. So früh wie möglich wollen wir heute los, damit sich die Temperaturen und vor allem der Verkehr auf der Cassia möglichst lange erträglich für uns gestalten. Pino bleibt leider im Bett liegen. Die lange Etappe gestern hat ihm nicht so gut getan und er möchte am Beginn seines neuen Lebensjahres nichts riskieren. Schade, er war gestern für den einen Tag ein liebenswürdiger Begleiter, der uns mit seinem Humor und seiner guten Laune bestimmt auch am heutigen Tag erfreut hätte.

   Um kurz nach 6 Uhr verlassen Antonella, Marion und ich die schöne Anlage des Nonnenklosters "Istituto Suore delle Poverelle" durch das hohe Eisentor und sind bereits fünfzig Meter weiter auf dem schmalen Fußweg der Cassia. Wo ist die nächste Bar zum Frühstücken? Die, an denen wir vorbeikommen, haben noch geschlossen, und als die normale Öffnungszeit von 6.30 Uhr erreicht ist, liegt lange Zeit keine Bar mehr am Weg. Na das habe ich gerne! Eine geschlagene Stunde marschieren wir im Gänsemarsch und mit Knallgas an der Straße entlang, bevor wir endlich auf die erste geöffnete Bar stoßen. Bei Cappuccino, Caffè Americano und Dolces wird deutlich, dass die beiden Mädels einen höllischen Respekt vor der heutigen Abschlussetappe haben. Den ganzen Morgen an einer der meistbefahrenen Ausfallstraßen Roms entlangzutippeln, begeistert sie nicht. Gutgemeinte Hinweise von verschiedenen Leuten, wie extrem gefährlich das doch sei, waren da in den letzten Tagen auch nicht besonders hilfreich, um die Sorgen zu zerstreuen. Ich sehe die ganze Sache entspannt. Ähnliche Streckenabschnitte gab es in den letzten Wochen für uns Pilger schon öfter. Nur hießen da die Städte nicht Rom, sondern Vercelli, Pavia, Piecenza, Lucca oder Siena. Phasenweise gab es dort keinen Bürgersteig oder Seitenstreifen, die vor eng vorbeifahrenden Autos schützten. Heute stellt das mein Wanderführer aber sehr wohl in Aussicht. Jedenfalls bin ich wild entschlossen, die letzten Kilometer bis zum Petersdom zu Fuß zurückzulegen, auch wenn es etwas nervig wird. Mit Marion und Antonella treffe ich die Vereinbarung, dass sie den Zug nehmen, wenn sie die Verkehrssituation zu sehr belastet. Schließlich verläuft fast bis zum Ende eine Vorortslinie parallel zur Straße mit kleinen Bahnhöfen in relativ kurzen Abständen. Fortan dackeln die beiden nach unserer kurzen Frühstücksrast mit gemischten Gefühlen hinter mir her.

   Zu ihrer großen Erleichterung stellen aber auch sie bald fest, dass so manches nicht so heiß gegessen wie es gekocht wird. Bis auf ganz wenige Abschnitte ist tatsächlich immer ein schmaler Bürgersteig zur Stelle, und da, wo es keinen gibt, ist die Straße so breit, dass die Autos gut ausweichen können. Natürlich rauscht der Verkehr pausenlos an einem vorbei, aber darauf dürfte man vorbereitet sein, wenn man nach Rom hineinwandert. Es ist sozusagen ein "rauschendes Finale".

   Trotz der Konzentration auf den Verkehr, fiebern wir nun alle drei unserem endgültigen Ziel entgegen. Ich kann es kaum benennen, kaum beschreiben, nicht erklären, aber jetzt nähere ich mich Schritt für Schritt dem Zentrum von Rom und es ist so wie damals in Santiago de Compostela. Irgendetwas packt mich, rührt mich, wirft mich in die Luft und fängt mich wieder auf. Bei den letzten Kilometern sind mehr als kleine Schmetterlinge in meinem Bauch.

   Kurz nach dem Vorortbahnhof von La Giustiniana verlassen wir die Cassia, diesmal endgültig, und biegen auf die Via Trionfale ab. Schöner Name, der unserem kurz bevorstehenden, persönlichen Triumph so sehr entspricht. Der Verkehr aber bleibt, wird eher immer mehr, nur dass jetzt die Bürgersteige breiter werden. Ich merke, wie sich bei Marion und Antonella jetzt die Anspannung löst. Sie schnattern, singen und lachen und von Zugfahren kann schon lange keine Rede mehr sein.

   Auf einmal kehrt Ruhe ein. Aus dem dichtesten Verkehr heraus zweigen wir bei einem hohen steinernen Torbogen von der Straße ab und gehen über niedrige Steinstufen zu den Grünanlagen des Monte Mario hinauf. "Mons gaudii" hieß diese Erhebung im Norden Roms früher bei den ankommenden Pilgern, Berg der Freude. Vor Santiago gibt es auch diesen "Berg der Freude - Monte de Gozo". Nur von dort oben sieht man heutzutage als ankommender Pilger von dem ersehnten Ziel, der großen Kathedrale mit dem (vermeintlichen) Grab des Heiligen Jakobus, nicht mehr sehr viel. Bäume und Bebauung verhindern die direkte Ansicht. Ganz anders ist es beim Monte Mario. Nach einem kurzen Pfad unter dichten Bäumen kommt fast unvermittelt der große Augenblick: die grandiose Aussicht auf Rom. Die gewaltige Kuppel des Petersdoms etwas rechts dominiert das Bild, aber auch das Pantheon und das Kolosseum meine ich in dem Häusermeer ausmachen zu können.

   Eigentlich könnten wir jetzt in lauten Jubel ausbrechen, aber das passiert nicht. Wir stehen nur da und schauen auf diese Stadt hinunter. Wie oft haben wir an diesen Moment gedacht und jetzt ist er wirklich da. Wir nehmen bewusst etwas Abstand voneinander, jeder will einen Moment ganz für sich alleine sein und diesen Augenblick genießen. Hier oben, wo außer uns um diese Zeit noch keine anderen Menschen sind, ist das möglicherweise einfacher als auf dem Petersplatz, wo es nachher vor Touristen nur so wimmeln wird. Marion steht am niedrigen Holzzaun und weint, Antonella sitzt irgendwann auf einer Bank und schreibt eine Sms an ihren Mann und ich stehe noch etwas weiter oben zwischen den Pinien und durchlebe wie selbstverständlich die letzten 15 Wochen noch einmal im Schnelldurchgang. Dann erst gehen wir wieder aufeinander zu, nehmen uns kurz in den Arm, ohne zu reden, und ich sage nur: "Jetzt noch den Rest!"

   In Serpentinen steigen wir vom Monte Mario hinab, halten nochmal bei einer Bar und gehen dann streng geradeaus auf den Petersdom zu. Um 11 Uhr erreichen wir den Petersplatz und vor uns steht das mächtige Bauwerk von St. Peter. Wir sind endgültig am Ziel.

   Es ist so, wie ich vermutete. Meine tiefen Ankunftsemotionen hatte ich auf dem Monte Mario, nicht mehr hier. Ich bin stolz, dass ich es geschafft habe, aber die Tausende von Menschen, die hier vor dem Petersdom herumwimmeln, die Fotosessions, die überall stattfinden, die Händler, die ihre Devotionalien anbieten oder sich als Fremdenführer verdingen wollen, lassen nicht die überwältigenden Emotionen aufkommen, wie vor einem Jahr vor der Kathedrale von Santiago de Compostela. Antonella und Marion geht es genauso. Wir nehmen uns noch eine Stunde, um langsam den Petersplatz und die Säulenarkaden zu umrunden, setzen uns eine Weile an den großen Obelisken im Zentrum des Platzes und haben dann nur noch den Wunsch, diesem Gewimmel zu entfliehen und zur Herberge nach Trastevere zu kommen.

   Morgen ist auch noch ein Tag. Dann sind wir ausgeruht und es stecken uns nicht mehr die Straßenkilometer der Cassia und der Via Trionfale in den Knochen. Wir werden uns in der Sakristei von St. Peter unser Testimonium abholen und dann als Touristen durch die Stadt ziehen. Petersdom, Kolosseum, Trevi-Brunnen, Pantheon, Forum Romanum usw., das volle Programm. Zeit genug für alles habe ich ja, erst am Samstag geht mein Flieger nach Hause.

 

Zur Karte: https://drive.google.com/file/d/0B-YJDxFXEbWmTnpUejIxb2IxVUE/

 

 

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Mo

30

Jun

2014

Letzter Tag "im Grünen"

Campagnano di Roma - La Storta (28 km)

   Die, die nicht geflüchtet sind, haben die Übernachtung mit der höchst grenzwertigen Hygiene anscheinend gesund überlebt. Am frühen Abend kamen noch zwei Pilger an und es hat mich überrascht, dass jeder glaubte, noch eine einigermaßen vertretbare Matratze gefunden zu haben. Danielas und Pinos kleine Geschichte ist auch ganz nett. Beide trafen sich an einer Bushaltestelle in Viterbo. Daniela, eine junge Italienerin, ist schon länger auf der Via Francigena unterwegs, musste aber aus irgendeinem Grund gestern bis Campagnano mit dem Bus "überbrücken". Pino, ein rüstiger älterer Herr aus Viterbo, der an diesem Tag seinen 74. Geburtstag feierte, wollte sich an seinem Ehrentag etwas Besonderes gönnen und nahm sich vor, zur Bushaltestelle zu gehen und dort den ersten Bus zu nehmen, der auftaucht und mit diesem zu dessen Endhaltestelle zu fahren. Es kam der Bus nach Campagnano, in ihm machte er sich mit Daniela bekannt, die ihn dazu überreden konnte, sie nach Rom zu Fuß zu begleiten. Er machte "den Spaß" mit und landete, nur mit einem kleinen Rucksack mit Verpflegung und einer Zahnbürste sowie mit Jesuslatschen an den Füßen in einer siffigen Pilgerherberge.

   Während sich Daniela als überzeugte "Nachtpilgerin" schon um 3 Uhr (!) auf den Weg macht, treffen sich Antonella, Pino und ich um 6.15 Uhr in der Bar gegenüber und werfen uns unser italienisches Frühstück ein. Da Antonella immer zuerst los will, um ganz alleine ihren Morgenmuffel zu vertreiben, lassen Pino und ich sie erst ziehen und gehen dann mit Abstand hinterher. Meine anfänglichen Bedenken, mir einen 74jährigen "ans Bein zu binden", verfliegen sehr schnell. Er ist ein sehr interessanter und humorvoller Gesprächspartner, der wie der gestiefelte Kater mit Riesenschritten einherschreitet. Ich muss in einigen Abschnitten richtig Gas geben, um mit ihm schritthalten zu können. Meine Versuche, mich seiner Schrittlänge anzupassen, scheitern bitterlich.

   Auf diese Weise aber fangen wir Antonella bald wieder ein und gehen fortan zusammen. Die Landschaft, die wir durchwandern, lässt mich fast nicht verstehen, dass wir uns morgen um die gleiche Zeit auf endlos langen und höchst verkehrsreichen Straßen durch die Millionenstadt Rom bewegen werden. Alles ist grün, es geht bergauf und bergab, weit im Hintergrund erheben sich die recht stattlichen Monti della Sabina, wir gehen an Landvillen, großen Zypressen und Pinien vorbei, über uns ein blauer Himmel mit vielen Schäfchenwolken - es ist nochmal eine Wonne. Und irgendwann sehe ich, gaaanz, gaaanz weit am südlichen Horizont eine Ansammlung von hohen Häusern. Das können nur die ersten Außenbezirke von Rom sein! Pino, gebürtiger Römer, der erst seit drei Jahren in Viterbo wohnt ("My girlfriend kicked me out!" - Herrlich, oder?) bestätigt mir das, und mein Herzchen macht einen kurzen Doppelschlag. Wow, daaahinten werde ich morgen Mittag sein, kaum zu glauben.

   Dann sehe ich Flugzeuge aufsteigen, eins nach dem anderen. Sie müssen alle auf einem der beiden großen Flughäfen Roms gestartet sein. Bald sitze ich in einer dieser Maschinen und fliege nach Hause. Erstmals empfinde ich, dass sich "nach Hause" für mich gut anhört. Ich bin nicht traurig, dass es dem Ende meiner langen Pilgerreise zugeht. Da gibt es so Vieles, worauf ich mich zu Hause freuen kann. Es ist aber keinesfalls so, dass ich denke: Endlich ist es vorbei! Zu viel wunderbare Momente, zu viel herrliche Landschaften hat mich dieser Weg erleben lassen. Nur der Gedanke, dass dies nicht mein letzter Pilgerweg sein darf, lässt mich ohne Trübsal "Richtung Heimat schwenken".

   In Formello, dem wohl letzten kleinen Ort an der Via Francigena, rasten wir nochmal unmittelbar vor dem großen Stadttor bei einer Bar. Auch das werde ich vermissen: das tägliche Ansteuern dieser italienischen "Kommunikationszentren", wo man sitzen kann, ohne etwas bestellen zu müssen, wo man/frau sich trifft, um zu tratschen, um den geliebten Espresso zu trinken oder ein Panino oder ein Dolce zu essen, und das für wenig Geld.

   Auf den letzten Kilometern bis La Storta, was schon zum Einzugsgebiet von Rom gehört, macht Antonella mir große Freude. Schon immer sehe ich sie mit kleinen Kopfhörern im Ohr laufen, aber jetzt scheint sie ihre Lieblingsmusik zu hören. Ohne jede Scheu schmettert sie lauthals die Lieder mit, breitet dabei immer wieder unterstützend ihre Arme aus und schließt hingebungsvoll ihre Augen. Dabei tritt das Phänomen auf, das man kennt: Sie singt, weil sie sich selbst mit ihren "Ohrenstopfen" nicht hört, in einem Ausmaße laut und falsch, dass es zum Gottserbarmen ist. Ich könnte mich wegschmeißen!!! Pino fühlt sich aufgefordert, mit dieser Katzenmusik mitzuhalten und jault herzzerreißend immer wiedermal mit. Seine Laune steigt von Minute zu Minute an und gipfelt in seinem Wunsch, für eine Weile mal meinen Wheelie ziehen zu wollen. Natürlich kann ich ihm diesen Wunsch nicht verwehren und bin für ungefähr eine Stunde meinen Lastenträger los.

   So kommen wir gutgelaunt in La Storta an - und werden dort recht brutal mit dem konfrontiert, was uns morgen früh blühen wird - der Cassia auf ihren letzten Kilometern nach Rom hinein. Dies aber nur für einen kurzen Moment. Dann sind wir wieder in einem kleinen Nonnenkloster zur Übernachtung. Marion ist schon seit einiger Zeit da, hatte sie doch nur einen kurzen Tag von Formello bis hierher. Während wir im Klostergarten nochmal die Ruhe genießen, rauscht unten auf der Cassia der Verkehr vorbei.

 

Zur Karte: https://drive.google.com/file/d/0B-YJDxFXEbWmTUd5QXMyTzZTOGs/

 

 

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